Das Leben als Mama und was sich damit verändert hat.

2015-11-2219.55.54

Ich und ein Kind? Vor vier Jahren wäre das für mich undenkbar gewesen. Der Kinderwunsch kam zwar nicht über Nacht, aber trotzdem relativ schnell, ebenso wie der positive Schwangerschaftstest. Mein Gesichtsausdruck wäre sicher ein Foto wert gewesen. 
Ab dem Moment, wenn es die Familie und die ersten Freunde wissen, beginnt die Phase der gut gemeinten aber nicht unbedingt hilfreichen Tipps und Phrasen. Auf letzteres hätte ich gern verzichten können.
„Weißt du, was du dafür alles aufgibst?“ 
– Durchzechte Nächte? Glaub mir, es fühlt sich ganz ähnlich an.
„Für mich wäre das ja nichts.“
Deswegen bin wahrscheinlich auch ich schwanger und nicht du.
Natürlich hat sich etwas verändert – zum Glück.
Plötzlich emotional.
Ich hab das Gefühl, bisher nur einen Bruchteil meines Gefühlsrepertoires gekannt zu haben. Nah am Wasser gebaut ist noch untertrieben, ich sitze wahrscheinlich direkt in einem Brunnen. Ich dachte, das hört nach der Schwangerschaft auf!?
Eine übertrieben niedliche Werbung, eine vollkommen zu erwartende Wendung in einem Film oder Beitrag reichen aus und mir kullern die Tränen übers Gesicht. 
Ich bin ängstlicher.
Meine Unerschrockenheit vor unbekannten Sachen und Situationen habe ich wahrscheinlich an den Minimann weitergegeben. Während er ganz unbedarft durch die Welt geht, laufe ich als Löwenmama, wachsam, hinter ihm her. 
Plötzlich bin ich verwundbar, an einer Stelle die es vorher nicht gab. An seiner Stelle.
24h am Tag, 7 Tage die Woche bin ich in Bereitschaft. Bereit, alles für diesen kleinen Knopf zu tun. 
Ich bin stärker.
In der 8. Klasse kam ich in Mathe angeblich an meine Grenzen. Mein Abitur und der Minimann beweisen das Gegenteil. Letzterer öfter als mir lieb ist. 
Schlaflos im Kinderzimmer.
Nachts regungslos neben seinem Bett ausharren, da die kleinste Bewegung eine Tränenflut auszulösen droht, klappt so mittelmäßig. Meine Beine und Arme schlafen, dank einer meist unbequemen Haltung, schneller ein als der Minimann selbst. Zack, bewegt. Vielleicht sollte ich es mal mit Meditation versuchen.
Option A: Schichtwechsel mit dem Ehefreund.
Option B: Der Minimann als Schlafgast in unserem Bett. (Das ist die beliebtere Option, denn die Gefahr ihn zu überrollen scheint gleich Null. Dafür steigt die Wahrscheinlichkeit eine Hand oder einen Fuß abzubekommen, mit jedem Mal.)
Der Morgen danach lässt die Nacht so gut wie vergessen, einzig die Augen erinnern sich daran. Es gibt einfach nichts schöneres, als von einem gut gelaunten Minimann geweckt zu werden. Ich gebe zu, es gibt sanftere Methoden und auch die Uhrzeit könnte man nach hinten korrigieren, aber der Rest ist, genau so, perfekt.
Schlaf nachzuholen klappt im übrigen auch nur so semi gut. Die Mamas unter euch können das vielleicht bestätigen.
Ich bin mutiger.
Vielleicht bin ich nicht mehr so unerschrocken, aber dafür um einiges selbstbewusster. Bald sind es zwei Jahre, in denen ich nicht nur die Verantwortung für mich trage, sondern auch für diesen kleinen Lockenknopf. Mit ihm an meiner Seite fühle ich mich stark.
Ich werde gebraucht.
Wenn der Minimann etwas möchte, ertönt entweder „Maaaama“ oder er wiederholt das jeweilige Wort so lange, bis er es hat, weil er beispielsweise selbst nicht ran kommt. Nach dem Papa verlangt er natürlich auch und wir üben momentan sogar einem extra lauten Weckruf.
Ich habe nicht das Gefühl etwas aufgegeben zu haben. Natürlich hat man nicht mehr die Freiheit so unglaublich spontan zu sein, wie man es vielleicht zu seinen besten Zeiten war. Es wird anders, das auf jeden Fall. Aber es wird einfach um so vieles besser. 
#fürimmerimmer dieser kleine Minimann, der schon gar nicht mehr so klein ist.

(bei diesem Rückblick war er noch etwas kleiner)

8 Kommentare

  1. Deine Worte tun wirklich unglaublich gut! Ich erwarte meinen kleinen Babyboy in ca. 5 Wochen. Keine meiner Freundinnen denkt nur annähernd an Familienplanung, ich bin 24, "viel zu jung, ich will noch leben! ". Jaa das hab ich oft gehört, aber deine Worte bauen mich wirklich auf. Gerade jetzt in der "heißen Phase"
    Danke für diesen Post ♥
    Christina

  2. Liebe Farina, falls du das lesen solltest: Deine Posts werden irgendwie nie angezeigt. Leider weiß ich nicht was der Grund dafür ist.

  3. Liebe Bell, ich erkenne mich in Deinem Post sooo wieder…. Gerade was das Emotionale betrifft… gerade eben selbst als ich Deinen Post las, da kullerten die Tränen :-) Weil Deine Worte einfach direkt ins Herz gehen, zumindest bei mir… Ich habe auch wie du so schön sagst einen Bockbären zuhause und trotzdem möchte ich für nichts auf der Welt tauschen <3 … auch wenn ich ihn manchmal erwürgen könnte ;-))))

    LG Tanja

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