+ – Schwangerschaft

Es gab in meinem Leben bisher selten Momente in denen ich aufgeregter, in denen mein Puls höher war, als die Augenblicke in denen ich auf das Ergebnis meiner Schwangerschaftstests wartete.

In den letzten 30 Jahren Frau Knopf hielt ich durchaus den ein oder anderen Schwangerschaftstest in meinen Händen. Ich zitterte jedes Mal vor Aufregung, egal ob es ein Test der Sorte „Jetzt bloß nicht schwanger sein!“ war oder einer bei dem ich hoffte: „Bitte, bitte, BITTE lass da dieses Kreuz sein!“.

Ich habe in den letzten Monaten oft überlegt, ob ich dieses Thema hier anspreche und mich doch immer wieder nicht „getraut“.

Nach dem Minimann und noch bevor ich mit der Knopfmadame schwanger wurde, hielt ich schon einmal zwei positive Tests in meinen Händen.

Man glaubt immer, eine Fehlgeburt, sowas passiert einem selbst nicht. Mittlerweile weiß ich es besser und bin ich mir sogar recht sicher, dass es weit mehr Frauen betrifft, als ich gedacht habe.

Bei meiner ersten Schwangerschaft war ich (zum Glück) unglaublich naiv und blauäugig. Ich war schwanger und hatte nie auch nur eine Sekunde Zweifel, dass sich daran nur das Geringste ändern könnte oder Probleme auftreten würden.

Als ich dann bei meiner „zweiten“ Schwangerschaft nach ungefähr 9 Wochen Blutungen bekam, war jegliche Leichtigkeit wie weggeblasen und ich verbrachte 2 Tage weinend auf dem Sofa. Ich wusste, würde ich jetzt zum Frauenarzt gehen, wäre es bis zu einer Ausschabung nicht mehr weit. Nach 4 Tagen machte ich also wieder einen Test – negativ.

Dieses Gefühl, kurz bevor man ohnmächtig wird und es einfach nicht passiert. Der Boden unter den Füßen, der dir keinen Halt mehr gibt und die Stimmen um dich herum, vertraut und doch so leer. 

Schon zwei Wochen später hatte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin. Die Untersuchung bestätigte den Verdacht auf einen frühen Abort (ein furchtbares Wort) und die Arztschwester legte die „Hurra, sie sind schwanger!“-Mappe mit einem verstohlenen Blick zurück in ihre Schublade. Ich verließ die Praxis ohne ein Ultraschallbild.

„Das Kreuz war aber auch heller….“

Was als Aufmunterung gemeint war, verfehlte seine Wirkung leider gänzlich. Es gibt in solchen Momenten wahrscheinlich nicht viel was man(n) einer Frau in dieser Situation sagen kann. Das macht die ohnehin schon unerträgliche Situation nicht gerade einfacher.

Man war schwanger und ist es plötzlich nicht mehr. Jeder Versuch der Aufmunterung kann nur zum Scheitern verurteilt sein. 

Den größten Halt bekam ich durch den Minimann. Er hat davon zwar nichts mitbekommen, aber ich denke, er hat gespürt, dass ich nicht ganz so fröhlich war wie ich es vorgegeben habe zu sein. Seine kleinen Arme um meinen Hals waren in diesem Moment einfach alles für mich.

Schwanger oder nicht

Nach dem zweiten Abbruch beschloss ich, keine Schwangerschaftstests mehr ohne digitale Anzeige. Als ich dann also wieder überfällig war, wartete ich 1 1/2 Wochen länger als der Beipackzettel von mir verlangte. Mein Zyklus war zu diesem Zeitpunkt alles andere als regelmäßig und ein weiteres „Ja! Nein! Oh!“ hätte ich nicht ertragen.

Es war der 30. Juni 2016, das vergesse ich wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Ich wollte in kein trauriges Gesicht schauen müssen, deswegen machte ich den Test an einem Nachmittag, als der Minimann beschäftigt und mein Mann noch nicht zu Hause war.

Schwanger 2-3 Wochen

Da stand es dann also, schwarz auf grauem Hintergrund. Die Tränen liefen mir über mein Gesicht und tropften mir auf die Knie. Als ich mich etwas beruhigt hatte, machte ich ein Foto von dem Test, so als wäre das meine Versicherung, dass es dieses Mal auch so bleibt. Es lieb.

Das Resultat dieses Schwangerschaftstests schläft gerade satt und zufrieden in ihrem Bett.

Mir ist bewusst, dass das Thema Kinderwunsch ein heikles ist. Ich bekomme ab und zu Nachrichten von euch, in denen mir zu meiner kleinen, perfekten Familie gratuliert wird. Natürlich ist sie für mich, so wie sie ist, perfekt unperfekt, genau richtig. Anders kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, aber es ist eben nicht immer alles so schön, wie es vielleicht im ersten Moment und ganz besonders hier, wo ich euch ganz bewusst und gefiltert an unserem Leben teilhaben lasse, scheint.

Ich weiß, dass ich mit dieser Geschichte nicht alleine bin. Es ist seitdem nun einige Zeit vergangen und mit diesem Abstand kann ich mittlerweile auch darüber reden, ohne dass ich direkt Tränen in den Augen habe.

4 Kommentare

  1. Toll dass du das mit uns geteilt hast liebe Bell. Es ist eben nicht immer alles Sonnenschein im Leben gell… ich bekomme das gerade hautnah mit. Danke dir für deine Geschichte, ich umarme dich ❤️

  2. Es ist wahrlich ein schweres Thema, über das meist dann gesprochen wird, wenn man endlich ein Baby in den Armen hält. Trotzdem finde ich es natürlich sehr stark von dir, darüber so offen öffentlich zu berichten und ich kann gut nachvollziehen wie es dir erging.

    Ich bin mittendrin, hatte 2 Ausschabungen und einen natürlichen Abgang dazwischen. Die letzte Ausschabung ging nicht gut und ich muss wohl noch ein 3. Mal operiert werden. Es ist wirklich bitter und wenn gefühlt alle rundherum problemlos Leben auf die Welt bringen, man selbst aber nur totes, das verändert einen und hat auch auf die Beziehung Einfluss. Beim letzten Mal war ich im Wochenabstand beim Arzt zum Check und bin jedesmal tausend Tode gestorben, bis man endlich den Herzschlag sehen konnte. Beim nächsten Mal dann nicht mehr.

    Ich wünschte, dieses Thema wäre kein Tabuthema, aber sobald man darüber reden würde, dann erhöht sich der gefühlte Druck von außen wahrscheinlich und wer weiß wie diese Information die Runde macht, vielleicht bis zum Chef, der entsprechende Personalentscheidungen dann trifft.

    Ich habe selbst einen Blog und auch ich habe fix einen Beitrag geplant darüber, wenn ich ein gesundes Kind in den Armen halte. Weil wir geben nicht auf und ich denke das ist das Wichtigste dabei: Zusammenhalten mit dem Partner und nicht aufgeben. Solche Erfahrungen können einem noch mehr zusammenschweißen oder leider auch trennen.

  3. Gesunde Kinder sind die beste Medizin und ja es betrifft so viele Frauen… auch ich bin nicht verschont geblieben und wurde harsch aus der blumigen Welt des Schwangerseins gerissen. Es gehört dazu, dass es auch einmal schiefgehen kann. Und so schlimm es sich anfühlt, meist hat die Natur gute Gründe um uns zu schützen. Wichtig ist, dass man die Hoffnung nicht verliert und über dem Kinderwunsch nicht verrückt wird. Fühl dich gedrückt!

  4. Ein toller Text! Ich bin auch sehr blauäugig durch meine erste Schwangerschaft gegangen und war mir sehr sicher, dass nichts passiert. Aber gerade hat eine Bekannte ihren Fötus verloren und das hat mir schon zu denken gegeben. Wichtig ist, sich davon nicht entmutigen zu lassen und positiv zu bleiben.

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