Leben, Mama-Ich
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Okay Google, was ist eine Konisation?

„Sie sind mir eigentlich noch zu jung für eine Gebärmutterentnahme.“ – „Ja, ich mir auch!“

Aber noch mal kurz zurück zum Anfang.

Während meiner zweiten Schwangerschaft stellte meine Frauenärztin bei mir an Hand regelmäßig wiederholter PAP-Tests (Vorsorge zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs) eine Zellveränderung fest. In den darauffolgenden Monaten war von „Machen sie sich keine Sorgen.“ bis hin zu „Dann muss das Baby eben eher kommen.“ alles dabei. Es wurden mehrere Probeentnahmen gemacht und das Wort „Operation“ fiel immer häufiger. Die Ärzte schienen sich nicht einig darüber zu sein, ob man noch bis nach der Geburt warten kann oder den Eingriff schon vorher durchführen sollte. „Ab der 37. Woche kann das Baby ja kommen.“ war ein Satz, den ich mehrmals hörte.

Ich möchte sie nicht beunruhigen, aber…

 

Die letzten 3 Monate meiner Schwangerschaft waren dank der unglaublich beruhigenden und kaum besorgniserregenden Art meiner Frauenärztin wirklich entspannt. nicht! Sie meinte es sicher nur gut, aber ihre Blicke und ihr ständiges Seufzen inklusive: „Was mach ich nur mit Ihnen?“ taten ihr übriges. Ich war total verunsichert und machte mir Sorgen.

Der behandelnde Arzt im Krankenhaus brachte ein bisschen Ruhe in die Sache, denn er sprach endlich aus was bis dahin seit Wochen unklar war: „Die Operation findet frühestens 3 Monate nach Entbindung statt!“

Eine Konisation! Eine Koni-was?

 

Eine Konisation ist eine Gewebsentnahme mit Ausschabung der Gebärmutter und wird in den meisten Fällen unter Vollnarkose durchgeführt.

Ich weiß, dass man manche Dinge lieber nicht googeln sollte, aber in diesem Fall schaffte Google etwas, was meiner Frauenärztin nicht gelang – mich ein wenig zu beruhigen. Meine größte Sorge bestand nun „nur noch“ darin, dass ich mein 4. Monate altes Baby abgeben musste. Sie war bei meiner Mama in den besten Händen, aber früh im dunkeln zu gehen, während dein Baby noch friedlich schläft und du nicht da sein kannst wenn es aufwacht – ging leider nicht ohne dabei ein paar Tränen zu verdrücken.

Konisation, Klappe die Erste.

 

Die erste Operation verlief, bis auf starke Blutungen, wohl recht normal. Ich bin allerdings noch heute der Meinung, dass das Narkosemittel für ein Elefantenbaby bestimmt war, denn ich brauchte den ganzen Tag um wieder halbwegs wach zu werden und auf die Beine zu kommen. Nach der Operation dauerte es Stunden (die Operation war 8:00Uhr morgens) bis ich überhaupt einigermaßen sitzen konnte. Als ich mich dann auch noch von einem Keks und Wasser übergeben musste, war plötzlich die Rede von „stationärer Aufnahme“.

Ich wollte einfach nur noch nach Hause zu meinem Baby. Als die Ärztin zum 4x an diesem Tag nach mir schaute, versuchte ich so wach wie möglich zu wirken. Das Gespräch dauerte eine gefühlte Ewigkeit doch am Ende hielt ich meine Entlassungspapiere in der Hand. Ich musste mich selten so zusammen reisen um nicht umzukippen und war froh, als ich neben meinem Mann im Auto „saß“. Bei meinen Eltern schlief ich noch mal 3 Stunden und war erst gegen 19 Uhr wieder so wach, dass ich mich neben die Knopfmadame legen konnte um da zu sein, während sie einschlief.

Konisation, Klappe die Zweite

 

3 Wochen nach der Operation hatte ich bei meiner Frauenärztin dem Termin zur Nachkontrolle. 10 Minuten und eine Untersuchung später sagte sie, mit einem Lächeln im Gesicht: „Da müssen wir nochmal ran.“.

Zwischen den Informationen über ihre Urlaubs- und Weiterbildungspläne ging dieser Satz bei mir jedoch vollkommen unter. Erst als sie fragte:

„Wann wollen wir den Termin machen? Dem Chefarzt wäre schon übernächste Woche recht.“ 

„Termin wofür?“

„Für eine Rekonisation.“

„Was, wieso das denn?“

Ich hing gedanklich wahrscheinlich noch auf Mauritius fest, es soll laut Aussage meiner Ärztin dort wirklich ganz wundervoll sein.

Vielleicht stellte ich mich damals auch einfach etwas an, aber ich empfand die Art und Weise, wie sie mir mitteilte, dass ich noch mal operiert werden muss, alles andere als patientenfreundlich. Sie krönte das Ganze noch mit den Worten: „Und dann hoffen wir mal, dass das ausreicht. Denn sie sind mir eigentlich noch zu jung für eine Gebärmutterentnahme.“

Aha?!

Doch was kam denn nun dabei raus?

 

Die zweite Operation verlief um einiges besser. Die Schwester und Narkoseärztin waren die Selben und erinnerten sich wohl noch ganz gut an mich. „Ach ja, bringt man eine Giraffe erstmal zu Fall, steht die ganz schlecht wieder auf.“ Ihr seht, den Vergleich mit großen Tieren bringe nicht nur ich.

Zwei Stunden nach dem Eingriff saß(!) ich schon im Arztzimmer und wartete auf meine Entlassungspapiere.

Letzte Woche war ich dann wieder bei meiner Frauenärztin und  der Blick der Schwester beim Blutdruck messen wäre durchaus ein Foto wert gewesen. Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war ich ein kleines bisschen nervös. Doch der Arztbericht gab Entwarnung. Das veränderte Gewebe konnte komplett entfernt werden. BÄM!

Mein Fazit

 

Ich wurde noch nie so oft in so kurzer Zeit nach unserer weiteren Familienplanung befragt. Da mein Muttermund nach den beiden Eingriffen jetzt deutlich verkürzt ist, könnte es im Falle einer dritten Schwangerschaft zu einer Muttermundschwäche kommen.

Aber warum erzähle ich euch das Ganze überhaupt? 

Ich musste erst das tun wovon einem immer abgeraten wird, ich musste googeln um etwas mehr über den Eingriff zu erfahren. Vielleicht ging es dem Ein oder Anderen schon ähnlich oder euch steht irgendwann ein solcher Eingriff bevor. Rückblickend weiß ich, dass ich mich vollkommen umsonst so verrückt gemacht habe. Aber ich musste das Ganze einfach loswerden, was ich hiermit getan habe. Ein Dankeschön an alle die bis hierhin gelesen haben.

 

 

20 Kommentare

  1. danke für deinen beitrag, habe noch nie etwas davon gehört und es war unendlich interessant zu lesen.

    ich wünsche dir das beste!
    laura

  2. Wundervoller Beitrag, so erhlich und gut geschrieben!
    Schön, dass alles gut ausgegangen ist.

  3. Mir ging es damals ganz ähnlich. Ein Gefühlschaos zwischen „Krebsvorstufe“ bis „alles halb so wild“ war da innerhalb von wenigen Minuten alles dabei. Ich verstehe bis heute nicht warum meine Frauenärztin das nicht vernünftig kommunizieren konnte. Ich hoffe dir geht es aber heute gut und dir Befunde sind wieder in Ordnung <3

  4. Mandy sagt

    Vielen lieben Dank für diesen Beitrag! Ich muss im März wieder zur Kontrolle, da ich seit längerem einen Pap 3-Wert habe. Von Konisation war auch schon die Rede. Nun fühle ich mich bei meiner Ärztin auch so „gut“ beraten. Im April werde ich 32. Kinder habe ich noch keine. Aber Angst. Werde ich noch welche bekommen können?
    Google hat mich auf das Buch Alchemilla von Margret Madejsky aufmerksam gemacht. Ich richte mich gerade nach ihren Tipps. Falls diese nichts bringen sollten, muss ich mich wohl auch operieren lassen. Aber nun fühle ich mich etwas sicherer und entspannter. Danke!

    • Bell sagt

      Klar wirst du noch Kinder bekommen können. 🙂
      Lass dich davon nicht in deinem Kinderwunsch einschränken oder gar verängstigen.
      Eine Muttermundschwäche bedeutet nicht automatisch, dass etwas während einer Schwangerschaft etwas passiert.

      Ich drück dir die Daumen!
      🙂

  5. Maud sagt

    Ich freu mich total dass bei dir jetzt alles gut ist. Ich kann gut deinen Ärger nachvollziehen.

  6. Hanna sagt

    ach herrje du arme! Was für bekloppte Menschen es manchmal gibt.. haha Frauenärzte sind aber oft auch ein Völkchen für sich ;D naja. GOTTLOB das alles fein ist und lieben Dank für diese trotz des unschönen Themas, immer wieder verzückte schreibweise (daumenhoch emoji)

  7. Ich finde es unendlich schade, wenn Ärzte nicht die Zeit oder in einigen Fällen auch vielleicht nicht das Bewusstsein für einen informativen und empathischen Umgang mit Patienten haben. Ich kann gut verstehen, dass Du gegoogelt hast – man will ja schließlich wissen, was völlig Fremde mit einem anstellen, was Risiken etc sein können. Aber dann liest man eben Alles -Ggf auch Unqualifiziertes oder Horrorgeschichten. Und manchmal will man auch nur beruhigt werden und Verständnis für seine Ängste und Befürchtungen erhalten. Ich finde, auch soetwas gehört zu einem guten Arztgespräch dazu. Tapfer durchgestanden auf jeden Fall,- und gut, dass zu wieder wohl auf bei Deiner Familie bist!

  8. Johanna sagt

    Die Situation ist zwar eine ganz andere – ich habe starke Angst vor ärztlichen Eingriffen – aber ich habe auch schon Erfahrung machen dürfen, mit der ganzen Bandbreite an freundlichen und unfreundlichen Ärzten. Ich finde es immer wieder traurig, wie man zu einem Stück Fleisch degradiert wird, an dem gearbeitet wird, statt wie ein Mensch behandelt zu werden.

    Danke für deinen schönen Beitrag zum Thema und ich bin froh, dass du am Ende eine gute Nachricht erhalten konntest!

  9. Svenja Ingwersen sagt

    Neben dem „schweren“ Thema finde ich es unglaublich toll wie witzig und leicht du den Text geschrieben hast, obwohl dir während der ganze Prozedur wahrscheinlich kaum zum Lachen zumute gewesen ist. Ich bin großer Fan deines Schreibstils. Ich hoffe du kannst mit dem Thema abschließen, denn wie sich deine Ärztin dir gegenüber verhalten hat ist kaum auszuhalten. Ich wünsche dir nur das beste für die Zukunft. Liebe Grüße Svenja

  10. Franziska sagt

    Krass und oh nein. Das waren meine ersten Gedanken beim Lesen. Und danke für deine Offenheit. Es kann ja wirklich jeder mal so ergehen und nichts ist schlimmer als Ungewissheit. Deine Frauenärztin verdient einen Orden für Kompetenz #nicht!

  11. Ich freue mich sehr, dass dein letzter Befund gut war. Mir steht der Eingriff nächste Woche bevor und ich habe viele grübelnde Wochen hinter mir. Ich habe mir verschiedene ärztliche Meinungen eingeholt, aber dies hat leider nur zu mehr Unsicherheit geführt. Du hast mir mit deinem Beitrag ein bisschen Mut gemacht. Danke!

    • Bell sagt

      Der Eingriff an sich ist wirklich nicht schlimm. Wenn man (was man in der Regel tut) die Narkose gut verkraftet, ist man schnell wieder „fit“. Aber man sollte danach alles etwas ruhiger angehen. Ich war einen Tag mit zwei Kindern allein zu Hause und lag abends mit Schüttelfrost im Bett. Ich drück dir die Daumen, dass bei dir alles entfernt werden kann.

  12. Nina sagt

    Unmöglich von deiner Ärztin :-/
    Gut dass du es jetzt überstanden hast und danke für deinen ehrlichen, offenen Beitrag!
    Ich wünsche dir alles Liebe!
    P.S. Deine Art zu schreiben ist immer wieder entzückend! Das kann nicht jeder!

    • Bell sagt

      Vielen lieben Dank. 🙂
      Darüber zu schreiben hat mir schon früher geholfen und wenn es dann noch ein oder zwei anderen Menschen hilft, freut es mich umso mehr.

  13. Kathi sagt

    Ein schöner Beitrag. Ich selbst sollte auch vor meiner ersten Schwangerschaft eine Konisation machen lassen, auf Grund eines pap4 wertes. Nach totaler Verunsicherung sagte mir mein Gastroenterologe (!), dass ich mir erstmal keine Sorgen machen soll, sowas kann sehr gut von bestimmten Medikamenten kommen und sei sehr wahrscheinlich nach der Schwangerschaft eh weg. Mit dem Baby quasi raus.
    Schon während der Schwangerschaft und nach absetzen der medis hatte ich Pap1!
    Leider hatte ich keine normale Geburt sondern eine Frühgeburt in der 27. Woche wegen präeklampsie.
    Jetzt habe ich, nach erneuten Medikamenten, wieder Pap 4 und werde definitiv erstmal abwarten, bevor ich irgendwas machen lasse. Eine regelmäßige Kontrolle ist nämlich genauso möglich. Man sollte sich auch nicht immer gleich zum Krebspatienten machen lassen, obwohl es sich hier erstmal nur um eine Zellveränderung handelt und nicht Krebs. Und diese kann durch ganz unterschiedliche Dinge ausgelöst werden und sich auch wieder zurückentwickeln. Nur das sagt einem leider eher kein Arzt, denn die sichere Variante ist wegschneiden. So lange jedoch meine Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, werde ich das so lange es geht vermeiden.

    • Bell sagt

      Ich wurde auch noch nie so oft nach meiner Familienplanung befragt. Meine Ärztin meinte: „Sie sind noch keine 80, ihre Zellteilung geht noch sehr schnell…“ – was soll man darauf sagen.
      Ich wünsche dir, dass es bei dir auch dieses Mal wieder zurück geht. <3

  14. Andrea testet und bloggt sagt

    Ich hatte meine Konisation vor 26 Jahren. Damals war das irgendwie viel aufwendiger. Ich durfte 5 Tage überhaupt nicht sitzen, nur liegen oder stehen. Ich war 14 Tage im Krankenhaus und war danach lange nicht fit. Mein kleinster war damals 6 Monate alt. War ne schlimme Zeit. Es hat 4 Tage gedauert bis die Laborberichte vor lagen. Diese Zeit hab ich nie vergessen. Aber seither keine veränderte Zellen an der stelle. Ein Kind habe ich danach nicht mehr bekommen. Aber ich hatte ja schon drei. Ich hätte zu viel Angst vor Komplikationen gehabt.

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