Mama-Ich
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#coolmomsdontjudge | Mom-Shaming beginnt im Kopf

Anzeige – Ich war nie in einer dieser “Stroller-Gangs”, denn als ich mit meinem Sohn schwanger war, gab es außer einer Freundin, die immer noch viel zu weit weg wohnt, keine andere Frau in meinem Umfeld, die schwanger war. In unserem Freundes- und Bekanntenkreis war der erste Geburtenschwall bereits durch und der nächste zeichnete sich erst zum Ende meiner Elternzeit ab. Rückblickend war das wahrscheinlich gar kein so schlechter Umstand, denn es gab einfach keine andere Neumama mit der ich mich vergleichen konnte bzw. mit der man mich hätte vergleichen können.

Es gab lediglich meine Freundin, mich, unsere Babys und unseren Whatsapp-Verlauf, der ein sehr gutes Beispiel dafür ist, wie das #coolmomsdontjudge -Prinzip funktioniert. 

 

Mom-Shaming a.k.a. Krieg der Klon-Mütter

 

“Wir wollen aufsteh’n, aufeinander zugeh’n, voneinander lernen, miteinander umzugeh’n.” – weiß schon jedes Schulkind.

 

Die beiden Gründerinnen von Löwenzahn Oranics, Liz Sauer Williamson und Carmen Lazos Wilmking, machen mit ihrer Kampagne #coolmomsdontjudge auf ein Problem aufmerksam, dass fast jede Mutter betrifft – Mom Shaming. Das Ergebnis ihrer Studie, die sie beim Sozialforschungsinstitut forsa in Auftrag gaben, zeigt einmal mehr, dass es Zeit ist Mütter und deren Umfeld wachzurütteln, auch wenn sie sich ihren Schlaf ganz bestimmt mehr als verdient haben.

“Jede zweite Mutter fühlt sich wegen der Kritik andere als schlechte Mutter.”

 

Warum gehen uns Müttern Kritik und Vorurteile anderen Müttern gegenüber scheinbar so einfach über die Lippen? Wir sitzen doch alle im selben Boot, wissen alle, dass Schlafmangel nur ein anderes Wort für Folter ist und dennoch kennen wir keine Gnade.

Füreinander statt gegeneinander

 

Ich erinnere mich noch gut an einer Situation im letzten Sommer. Wir waren mit einer Freundin und ihren beiden Kindern zum Eisessen verabredet. Zwei Mamas, zwei Kleinkinder und zwei Babys. Vita war zu dem Zeitpunkt bereits auf Flaschennahrung umgestiegen. Vorbildlich wie ich mir einbildete zu sein, gab ich ihr, bevor wir losgingen, eine große Flasche. Baby satt, Baby zufrieden, Baby schläft – soweit die Theorie in meinem Kopf.

Das Eis stand noch keine Minute auf dem Tisch, da gab es plötzlich großen Kummer aus dem Kinderwagen zu vermelden. Alles half nichts. Es wurde geweint, nein eigentlich wurde richtig gebrüllt und dazu gestrampelt so sehr es eben ging. Das Eiscafé war nachmittags 16Uhr natürlich sehr gut besucht und die ersten genervten Blicke ließen nicht lang auf sich warten.

Ich hätte natürlich direkt gehen können, aber da saß ja noch mein Sohn, der sich gerade sein “Schlumpf-Eis” schmecken ließ. Mein Stress-Barometer war höchstwahrscheinlich gar nicht mehr messbar, aber ich versuchte wenigstens äußerlich ruhig zu bleiben. Als ich dann auch noch merkte, dass wir, nein ich, den Schnuller vergessen hatte, war mir tatsächlich auch ein bisschen nach weinen zumute.

Das Schlumpf-Eis war mittlerweile gut sichtbar auf T-Shirt, Hose und Schuhen verteilt. Meine Freundin gab selbstverständlich alles, die drei Kinder in Schach zu halten, aber ihr Baby war hungrig und da fiel die Entscheidung – weinendes Baby oder zwei vergnügte, Eis essende Jungs – recht leicht.

Es verging eine kleine Ewigkeit, die Eisbecher waren bereits leer, das Baby auf meinem Arm alles andere als zufrieden, als eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn vom Nachbartisch aufstand, neben mit stehen blieb und zu mir meinte:

“Sie machen das ganz wunderbar.”

Da ich in dieser Situation wirklich mit allem, aber nicht mit einem Kompliment oder Zuspruch, gerechnet hätte, antwortete ich dementsprechend überrumpelt:

“Aber ich mach doch gar nichts!

“Eben, sie sind die ganze Zeit über so ruhig geblieben. Ich find das ganz toll.”

Ich glaube, das war in den ganzen 4 Jahren als Mama das einzige Mal, dass ich so etwas von einer fremden Frau bzw. anderen Mama gehört habe. Jedes Mal wenn ich daran zurückdenke, muss ich lächeln und denke mir: “Ja man, ich hab meine Sache gut gemacht, auch wenn ich mir in diesem Moment gern den Titel ‘Rabenmutter des Moments’ gegeben hätte.” (Moments nicht Monat – so schlimm bin ich wirklich nicht.)

Das Ergebnis der Studie in Zahlen

 

1x mehr Toleranz für alle, zum mitnehmen bitte.

 

Bevor ich Mama wurde, hatte ich nur eine grobe Vorstellung davon, wie ich als eben solche sein werde. Mittlerweile kann ich recht zufrieden behaupten, dass ich meiner eigenen Vorstellung gerecht geworden bin. Wie das allerdings Außenstehende sehen und empfinden, weiß ich nicht und es ist mir glücklicherweise auch pupsegal, wie mein Sohn sagen würde. Ich weiß jedoch von einigen Frauen und Mamas, dass sie doch recht viel Wert auf die Meinung Anderer legen und dadurch, wahrscheinlich ist ihnen das nicht einmal bewusst, in ihrer Rolle als Mama nicht richtig zur Ruhe kommen. Wisst ihr was ich meine? Wenn man als Mama ständig befürchten muss, dass man für die Art, wie man mit seinem Kind in der Öffentlichkeit umgeht oder es erzieht, kritisiert zu werden – läuft doch irgendetwas nicht richtig in unserer Gesellschaft. Da macht es auch fast keinen Unterschied mehr, ob es ein absolut distanzloser und gemeiner Kommentar auf Instagram ist oder ein abfälliger Blick von der Spielplatzbank. Es kommt beides an und kann im schlimmsten Fall sehr verunsichern oder gar verletzten.

Man kann sich ganz bestimmt an vielen Dingen, die andere Mütter für richtig halten, stören. Aber vielleicht sollte man sich seine Kraft auch einfach aufsparen und sinnvoller investieren, als über Themen wie Erziehungsstile, Stilldauer und Babynahrung zu diskutieren.

Mich würde interessieren wie eure Erfahrungen mit dem Thema „Mom-Shaming“ sind. Habt ihr schon einmal vorschnell geurteilt und wurdet dann vielleicht eines besseres belehrt?

Ich bin beispielsweise erst heute Morgen wieder geradewegs in die Vorurteilsfalle getappt.

Spielplatzsituation – eine Mutter, die ihr Handy die ganze Zeit vor ihrem Gesicht hält und ihre drei Kinder (2, 7 und 14 Jahre alt). Ihr mittlerer Sohn hatte scheinbar großen Redebedarf und so wusste ich nach nur 3 Minuten die Namen und das Alter aller Familienmitglieder. Ich wusste auch recht schnell und bis ins kleinste Detail was er alles kann und ganz besonders wichtig war ihm zu erwähnen, was er besser kann als Vince.

„Ich bin schon 7 und hab mehr Muskeln, wenn du mal so groß bist, kannst du das vielleicht auch. Da musst du aber noch ganz schön üben. Übung macht den Meister.“

Den Stempel „kleine Nervensäge“ hatte ich ihm schnell aufgedrückt und fragte mich gerade, ob seine Mutter auch irgendwann mal hinter ihrem Handy vorguckt, als er in einem Nebensatz erwähnte, dass seine Mama blind sei und das schon von Geburt an.

BÄM! IN MY FACE! Plötzlich ergab alles irgendwie Sinn. Der 14 Jährige große Bruder wurde nicht, wie von mir vermutet, von seiner Mutter verdonnert auf die lieben Kleinen aufzupassen, weil sie keine Lust hatte – nein, weil sie es selbst nicht konnte. Er stand aller 2 Minuten parat um seiner kleinen Schwester die Nase zu putzen und wirkte dabei kein Stück genervt. Die 7 jährige Nervensäge war unter diesem Gesichtspunkt nicht mehr annähernd so nervig. Er erzählte höchstwahrscheinlich so viel und so ausführlich, weil seine Mama all die Dinge von denen er sprach nicht sehen konnte, sich vorstellen aber schon.

Da sitze ich also schon über diesem Beitrag und dann erwischt es mich trotzdem. Mein Gewissen hat sich schon eine ordentliche Portion Reue abgeholt, dass könnt ihr mir glauben.

Memo an uns alle: #coolmomsdontjudge

Ich freue mich wirklich sehr, gemeinsam mit einer handvoll anderen Blogger-Mamas und einem Papa,  Teil von #coolmomsdontjudge Kampagne zu sein. Als wir uns im Mai aus diesem Grund alle in Berlin trafen, entstand nicht nur dieses Video, sondern es fand auch ein sehr reger und interessanter Austausch untereinander statt. Am 12. Juni geht es mit einer Panel-Diskussion dazu weiter und ich bin gespannt was eure Erfahrungen/Meinungen zum Thema Mom-Shaming sind.

Die Blogger-Mamas im Überblick:

little years / MummyMag / oh wunderbar / ivy / mumlife / Echte Mamas / Primer&Laquer / Lucie Marshall / Hebamme Maria  und der Papa: Johnnys Papa Blog

 

*Dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit mit Löwenzahn Organics entstanden. Vielen Dank!

2 Kommentare

  1. Susanne sagt

    Da ist sie wieder, die versteckte Milchpulver Werbung. An sich wäre der Hashtag ja total cool, wenn man dahinter schaut, dann sieht man die verbotene (!) Milchpulver Werbung und das ganze ist unglaubwürdig.

    Schön wie Du Dich kaufen lässt und “schön”, dass Du es mal wieder nicht kennzeichnest.

    • Bell sagt

      Liebe Susanne,

      hier geht es nicht darum versteckte Werbung für Milchpulver zu machen, sondern es geht tatsächlich um das Problems, dass Mütter (aus den unterschiedlichsten Gründen) dazu bringt sich schlecht zu fühlen. Stillen oder Nicht-Stillen sind selbstverständlich ein Teil davon. Die Gründerinnen von LO sind beides Mütter und stillten bzw. stillen aktuell auch noch.

      Ich kennzeichne Werbung, so auch in diesem Fall. Denn es wäre doch sehr leichtgläubig zu denken, ich würde rein zufällig darüber schreiben.

      Liebe Grüße,
      Bell

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