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“Alexa, vereinbare einen Termin mit meinem Vibrator!”

“Kann ich mal deinen Vibrator fotografieren? Du hast doch mehrere, oder?”

Ich verstehe, wenn ihr jetzt irritiert seid, denn das ist auch eher ein Gesprächseinstieg für Fortgeschrittene, aber warum lange mit Begrüßungsfloskeln aufhalten, wenn man doch direkt zur Sache kommen kann.

Es fing mit einem ganz harmlosen Mädelsabend an, der im Grunde auch harmlos blieb, allerdings waren die Themen an diesem Abend überraschend offen und ehrlich. Durch die Werbung für ein Sexspielzeug, speziell für Männer, kamen wir ohne Umwege auf das Thema Selbstbefriedigung. Besagtes Sex-Toy (dass ich das mal hier irgendwann mal schreiben würde, war mir so auch nicht klar) soll wohl gar nicht mal so schlecht sein. Vielleicht lag es an dem zweiten oder dritten Glas Sekt, aber die Vorstellung löste in mir irgendwie ein Konkurrenzdenken aus. Wenn ich das lese, muss ich selbst lachen. Aber stellt euch mal vor: „Du bist gut Schatz, aber der Bliblablub 2000, der ist noch viel besser als du.“ Ok, das wäre mit Abstand der witzigste Trennungsgrund überhaupt.

Mein Gedankenkarussell lief jedenfalls auch Hochtouren und warum euch nicht einfach mal daran teilhaben lassen.

 Mein erster Vibrator

Meinen ersten und bisher einzigen Vibrator bestellte ich mir, vor sechs Jahren, im Zuge eines Junggesellenabschieds. Das war auch das einzige Mal, dass ich auf einer “Dildo-Party” war. Was an sich ganz amüsant anfing, zeigte mir damals, wie schade es ist, dass die meisten Frauen scheinbar nur offen über Sex oder Selbstbefriedigung sprechen, wenn es der Rahmen zu lässt.  Ein paar Jahre und Erfahrungen später ist die Situation um diese Themen schon um einiges entspannter und aus diesem Grund weiß ich auch, dass ich wohl eine der wenigen Frauen bin, die nicht im Besitz eines Satisfyer oder Womanizer ist. (keine Werbung, aber die Namen sagen wahrscheinlich jedem etwas)

An Hand der Erzählungen, die schon einer Schwärmerei gleich kamen, vermute ich, dass ich dahingehend wirklich etwas verpasse. Allerdings fiel im Zusammenhang mit eben jener o.g. Sexspielzeuge auch der Satz: “Es geht so schnell, fast schon zu schnell.“.

Orgasmus-Garantie

Zeit ist kostbar und wir haben sie immer seltener. Wir haben verlernt, wie es ist einfach mal nichts zu tun. Oder wann habt ihr euren nächsten freien Abend? Frei im Sinne von keinen Termin, keine Verabredung mit Freunden auf 1-3 Gläser Wein oder Gin Tonic – einfach frei, nur für euch. Also ich habe in den nächsten Wochen wenig freie Spitzen für mich selbst.

Jetzt stellt euch vor, ihr habt doch mal etwas Zeit für euch, fernab von Verpflichtungen, Handy und Co. . Ihr wollt euch zeigen, dass ihr euch immer noch selbst liebt, da Selbstliebe dieser Tage wieder sehr groß geschrieben wird, man da auch irgendwie mithalten möchte und das ruhig wortwörtlich nehmen darf.

Wenn ich mir nun aber vorstelle, dass nach wenigen Minuten alles schon wieder vorbei ist, dann klingt das für mich wenig befriedigend. Wir nehmen uns Zeit, um der Probleme der Freundin zu lauschen oder neue Aufgaben vom Chef entgegen zu nehmen, aber für uns selbst reichen dann 2-5 Minuten? Verrückte Welt.

Da dauerte ja jeder Klitschko Kampf länger und meine Euphorie und das Glücksgefühl danach war sicher auch jedes Mal größer.

Natürlich ist das hier alles sehr klischeehaft gedacht, denn ich gehe einfach davon aus, dass sich nicht jede Womanizer- und Satisfyr-Besitzerin mit 2 Minuten zufrieden gibt. 

Als ich da so saß, vor ein paar Wochen und mit einigen Gläsern Sekt im Kopf, ließ mich der Gedanke nicht mehr los, dass man auf die Idee kommen könnte, sich mit einem Gerät zu vergleichen bzw. sich selbst direkt gegen dieses Gerät auszutauschen, weil man sich selbst nicht mehr richtig lieben könnte, oder es mit der Zeit einfach verlernt, einfach abstumpft.

Keine Ahnung wo der Gedankengang hinführt, aber machen wir uns nicht schon genug von Geräten abhängig?

Wir sind täglich so vielen Reizen und Stimuli ausgesetzt, dass es immer mehr und immer doller sein muss, dass wir überhaupt darauf reagieren.

Mein erster und einziger Vibrator hat irgendwann zwischen seinem 5 und 6 Jahr in meiner Schublade, wahrscheinlich wegen Vereinsamung, aufgegeben. So kam es im übrigen auch zu der Whatsapp-Nachricht. Ich hatte die Idee für diesen Text, aber mir fehlte ein passendes Bild. Ihr seht, es geht auch ohne Vibratoren.

„Alexa, vereinbare einen Termin mit meinem Vibrator!“

Überall liest man über Selbstliebe, das eigene Körpergefühl und Achtsamkeit. Das alles hört unterhalb der Gürtellinie aber nicht auf. Manche Paare (man munkelt, Eltern würden so etwas machen) verabreden sich sogar via Kalender zum Sex bzw. planen ihn direkt in die Woche mit ein, was bei mehreren Kindern und vollen Terminkalendern auch irgendwie verständlich und nachvollziehbar ist.

Aber wie stelle ich mir den Termin mit meinem Vibrator vor.

Nächster Termin: Donnerstag, Satisfyer, Dauer 5min (10min vorher daran erinnern)

1 Kommentare

  1. Mandy sagt

    Ach Frau Knopf…Danke für den Moment des Lächelns. Wieder ein sehr schön geschriebener Beitrag 😍

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