Mama-Ich
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Emotionen zulassen, übe ich noch.

Bis vor vier Jahren hätte ich noch behauptet, man kann mir meine Emotionen nicht direkt aus dem Gesicht ablesen. Seitdem ich Mama bin, fällt mir das nicht mehr ganz so leicht, oder sagen wir so – ich habe gelernt, dass es ok ist, nein – es ist vollkommen normal, Emotionen zuzulassen bzw. zu zeigen. Ich gehörte tatsächlich noch nie zu der Sorte Frau, die Freundinnen, zu gegebenem Anlässen, überschwänglich umarmte oder die sofort den Trost-Arm auspackte, wenn beispielsweise “Beziehungs-Gefahr” in Verzug war.

“Guck dich an, der Mann hat dich nicht verdient!” – war mehr so das, was man von mir erwarten konnte. Selbstverständlich nicht ohne das “Taschentücher, Wein und Zigaretten” Rundum-sorglos-Paket.  Auch wenn ich in den meisten Fällen Recht behielt, weiß ich heute, dass sensibel anders geht.

Zugegeben, bin ich mir auch jetzt noch nicht sicher, wann und ob es angebracht ist, seinen Gegenüber zu umarmen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich das selbst nicht so gern mag. Ok, anders. Ich mag es schon, kann aber damit, ähnlich wie mit Komplimenten, absolut nicht umgehen.

Würde es nach mir gehen, wäre soweit auch alles in Ordnung. Ich mache die Dinge schon immer lieber mit mir aus, anstatt groß und breit darüber zu reden. Keine Fragezeichen in den Gesichtern meiner Mitmenschen, keine Enttäuschungen nur ich und mein Kopf. Funktionierte prima.

Doch dann siehst du diesen Mann, verliebst dich noch bevor du überhaupt seinen Namen weißt, heiratest ihn und bekommst diese zwei wundervollen Kinder.

Ab dem Zeitpunkt hätte mir eigentlich schon klar sein müssen, dass Gefühle und Emotionen jetzt auch außerhalb meines Kopfes stattfinden werden. Sagen wir mal so, ich übe jeden Tag daran. Mein Mann und meine beiden Kinder sind die besten Lehrer. Die Drei kennen mich, ungefiltert.

Vor ungefähr zwei Jahren bekam ich zum ersten Mal die andere Seite zu spüren, als mir die Tagesmutter unseres Sohnes sagte, dass er sich ungern trösten lässt und es gar nicht mag, in den Arm genommen zu werden. Bei mir läuteten natürlich sofort die Alarmglocken. “Daran bin ich schuld, ich umarme ihn nicht oft genug!” waren nur zwei meiner Gedanken, die mir sofort durch den Kopf schossen.

Realistisch und mit etwas Abstand betrachtet, habe ich vielleicht nur eine Teilschuld. Ich bin seine Mutter und Kinder tragen doch oft Charakterzüge beider Eltern in sich, oder nicht? 😉

Keiner hat es in all den Jahren geschafft, so viele und unterschiedliche Gefühle und Emotionen in mir hervorzurufen, wie mein Sohn. Damit umgehen zu können, lernen wir jetzt zusammen. 

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