Mama-Ich
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Für keinen anderen Mann

Ich weiß nicht, wann genau ich angefangen habe, meinen Schutzpanzer abzulegen. Aber ich weiß, dass du der Grund dafür warst.

Vince

 

Die beste Entscheidung meines Lebens warst du, denn dank dir habe ich diese Entscheidung 2 Jahre später gleich nochmal getroffen. Seit über vier Jahren bin ich deine Mama und auch wenn ich manchmal fluche – waren das die besten, die intensivsten 4 Jahre überhaupt. Alles was vorher war und alles was jetzt gerade passiert, ergibt irgendwie Sinn.

Noch nie zuvor habe ich meine Gedanken, mein Handeln und meine Worte so oft hinterfragt. Ich war scheinbar recht blauäugig in der Annahme, dass Kinder zu haben, so schwer doch nicht sein kann. “Meine Eltern haben mich schließlich auch groß bekommen.” war einer meiner Standardsätze, wenn es bei deinem Papa und mir um “das Kinderthema” ging. Seitdem ich deine Mama bin, habe ich eine ungefähre Ahnung davon, welche Kämpfe meine Eltern hinter meinem Rücken, manchmal sicher auch gegeneinander aber am Ende des Tages immer gemeinsam, für mich, ausgetragen haben.

Ich weiß nicht, wie du mich als deine Mama siehst, aber ich hoffe, dass du später sagen kannst, dass deine Eltern, denn dein Papa trägt schließlich einen genau so großen Anteil dazu bei, ihre Sache mit dir ganz gut gemacht haben.

Weißt du noch…

 

Gerade wird deine Schwester in der KITA eingewöhnt und ich denke sehr oft an die Zeit deiner Eingewöhnung. Du warst schon so groß, trotzdem noch so klein und so unbedarft. Den größten Kummer hattest du, wenn Karl, dein Freund bei der Tagesmutter, dir deinen Keks vom Teller nahm. Ein paar Jahre später reichen deine negativen Erfahrungen schon weit über verlorene Kekse hinaus und gern würde ich dir jede Einzelne davon abnehmen. Ich glaube, das liegt so in der Natur aller Eltern. Und so feiere ich die schönen Dinge deines Alltags mit dir und suche immer öfter nach den richtigen Worten um dir all deine Fragen zu beantworten.

 

Erzähl doch mal…

 

Ich kenne kaum ein Kindergartenkind, dass bereitwillig erzählt wie der Tag im Kindergarten war. Auf geschlossenen Fragen lässt es sich ja noch ganz gut antworten, aber für mehr reicht die Lust oft nicht aus.

Umso schöner finde ich es, wenn du abends neben mir liegst und mich fragst,  was mir heute gut und was nicht so gut gefallen hat. 

Wenn du mich dann schon nach dem ersten Satz unterbrichst und selbst drauflos erzählst, weiß ich, dass es deine Art ist, mir zu erzählen, was dich bewegt. Dann schäme ich mich dafür, dass ich mir gerade noch meinen “Feierabend” herbei gesehnt habe und mir wird bewusst, dass es manchmal eben genau auf diese Minuten ankommt, in denen man gedanklich schon auf der Couch sitzt.

Ich kann mich noch zu gut an meine Kindheit erinnern, wie ich früher im Bett lag, nicht einschlafen konnte, weil der Tag noch durch meinen Kopf geisterte. Damals gab es noch keine Sorgenfresser und so schön ich die Idee vor meiner Zeit als Mama auch fand, ist es doch irgendwie schöner, sich jemandem anvertrauen zu können, dessen Mund nicht aus einem Reisverschluss besteht.

 

Danke, dass du mir jeden Tag einen Spiegel vorhältst, dass du mir zeigst, was bedingungslose Liebe mit einem machen kann. 

Meinen Schutzpanzer hebe ich noch ein bisschen auf, vielleicht passt er dir irgendwann. Alter Muster, irgendwann wirst du das verstehen.

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