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Inklusion – mehr als nur Akzeptanz

Vor kurzem war ich mit meinem Sohn in der Stadt unterwegs und vor uns lief ein junger Mann mit Behinderung. Irgendwann fragte mich mein Sohn, in einer für Kinder ganz natürlichen Lautstärke: “Mama, warum läuft der Mann vor uns so komisch?” Natürlich war mir das im ersten Moment unangenehm, aber noch bevor ich überhaupt zu einer Erklärung ansetzen konnte, wendete sich eine Frau mit ernstem Gesichtsausdruck an meinen Sohn und meinte: “So etwas fragt man doch nicht. Da guckt man gar nicht hin.” So plötzlich wie sie uns ungefragt ihre Meinung mitteilte, so schnell war die Frau auch wieder verschwunden. Mein Sohn, mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhörnchens, war schon wieder 5m weiter. Die Situation ging mir nicht aus dem Kopf und so musste ich an Greta denken. Ich mag ihren Instagramaccount sehr gern und verfolge jetzt schon seit einem halben Jahr die Veränderung, die ich ebenfalls großartig finde.

Aus diesem Grund möchte ich meinen Blog heute einmal nutzen, um euch Greta und ihre Herzensangelegenheit, die sich rund um das Thema Inklusion dreht, vorstellen.

Sonder- und Heilpädagogin Greta Scheichenost über Inklusion

 

Liebe Greta, erzähl uns kurz etwas zu deinem Beruf als Sonder-und Heilpädagogin und über die Menschen mit denen du zusammenarbeitest.

Ich bin Sonder- und Heilpädagogin und meine Arbeit ist sehr vielfältig. Vielfalt spielt also bereits in der Arbeitsbeschreibung eine Rolle 🙂 Ich unterrichte Kinder mit Behinderungen im täglichen Unterrichtsgeschehen und versuche die Kinder ganz individuell entsprechend zu fördern. Meine Aufgaben reichen vom Gestalten des Deutschunterrichtes bis hin zum täglichen Toiletten- bzw. Essenstraining. Es wird uns auf jeden Fall nie langweilig.

Du gibst auf deinem Account gretaspatz Menschen eine Stimme, lässt sie ihre Geschichte erzählen. Was ist das besondere daran?

Ich mag Instagram als Plattform sehr gerne, es war mir jedoch bereits seit Langem zu wenig Diversität vorhanden. Ich habe es als Schade empfunden, dass Behinderungen und Verschiedenheiten viel zu wenig online Raum hatten. Das wollte ich ändern und so dem Thema Inklusion auch in dieser “Bubble” ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken. Mir war es sehr wichtig das Projekt positiv zu halten. Es geht einfach darum Menschen mit verschiedensten Behinderungen eine Reichweite zu geben und aufzuzeigen, dass es nicht die Behinderungen sind, die diese Menschen definieren, sonder sehr viel mehr.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Inklusion

 

Inklusion – was steckt wirklich dahinter und warum ist es so wichtig?

Die Annahme von Vielfalt ist Grundstock einer inklusiven Gesellschaft. Individuelle Eigenschaften und Voraussetzungen werden nicht gewertet, sondern als selbstverständlich betrachtet. Es wird zum Beispiel nicht unterschieden, ob ein Mensch eine Behinderung hat oder eben nicht. Eine Behinderung ist eines von ganz vielen Merkmalen, die einen Menschen ausmachen. Genauso wie die Haarfarbe sozusagen. Die Inklusion interessiert es nicht, ob du körperlich beeinträchtigt bist oder eine Lernbehinderung hast. Ob du blond bist oder schwarzhaarig. Ob du einen Mann liebst oder eine Frau. Die Inklusion interessiert welche Bedürfnisse du hast. Sie geht auf diese Bedürfnisse ein und noch viel wichtiger: sie schafft Rahmenbedingungen um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Inklusion betrifft uns also alle – viele von uns wissen es einfach nocht nicht.

 

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Inklusion im Alltag

 

Ausgrenzung beginnt schon im Kopf. Wo kann besser aufgeklärt werden? An welcher Stelle sollte im Alltag umgedacht werden?

Für Menschen mit Behinderung im Speziellen ist es wichtig, dass Strukturen und Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Barrieren abbauen zu können. Wenn haptische Barrieren im Alltag, die manchen RollstuhlfahrerInnen den Zugang zu den Öffis erschweren oder erschwerte Sprache im öffentliche Raum verschwinden, können Menschen mit Behinderungen besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und es würde somit mehr Begegnungspunkte geben.  Wenn es mehr Begegnungspunkte gibt würden automatisch auch die Barrieren in den Köpfen der Menschen weichen, weil es schlicht und einfach normal ist das verschiedenste Menschen barrierefrei mittendrin in der Gesellschaft sind. Wichtige Dinge sind zum Beispiel, dass öffentliche Veranstaltung, ganz selbstverständlich für gehörlose Personen gedolmetscht werden. Oder, dass Texte im öffentlichen Raum in einfacher Sprache verfasst werden, um sie für alle Menschen verständlich zu machen.

Eltern sollten als gutes Beispiel vorangehen. Was können wir unseren Kindern mit auf den Weg geben?

Ich habe beobachtet, dass sich Kinder im Umgang mit anderen Menschen, sei es mit oder ohne Behinderungen, am natürlichsten verhalten und das finde ich wunderbar. Wenn Kinder etwas wissen wollen – dann fragen sie. Wenn sie etwas interessiert – dann sehen sie hin. Da ist nichts Falsches dran. Ich glaube Eltern können ihren Kindern jedoch vorleben, dass verschieden sein ganz normal ist und Ausnahmen die Regel sind. Dieser Grundgedanke ist Grundstock der Inklusion!

Danke, dass du meine Fragen so ausführlich beantwortet hast. Ich finde, wir sollten für unsere Kinder ein gutes Beispiel sein um Situationen wie mit dem jungen Mann (s.o.) in Zukunft zu vermeiden. Ich habe meinem Sohn noch an dem Tag erklärt, dass alle Menschen unterschiedlich sind. Manche sehen anders aus oder können womöglich nicht so gut laufen oder sprechen, aber  das normal und man darf darüber reden und Fragen stellen.

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