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Kinderbuch | Weil alles so zerbrechlich ist und weil du mir so fehlst

Kinderbuch zur Trauerbewältigung

Da stand ich also, nichtsahnend, in der Buchhandlung, in der ich in den vergangenen Jahren schon so einige Bücher kaufte. Natürlich in mitten zwischen den Kinderbüchern, denn nirgends sonst kann ich mich so unglaublich lang für so viele Bücher gleichzeitig begeistern. Neben mir stand eine andere Mama mit ihrem wahrscheinlich erst ein paar Tage alten Baby. Unsere Blicke trafen sich und wir lächelten uns kurz an, so wie es Mamas untereinander heutzutage viel zu selten tun.

Mein Blick wanderte wieder zurück zu den Büchern vor mir und ich zog ein weiteres Buch aus dem Regal.

EINFACH SO WEG Dein Buch zum Abschied nehmen, Loslassen und Festhalten von Ayse Bosse

Es dauerte ca. 5 Sekunden von der Frage, warum dieses Buch zwischen Kinderbüchern steht, über die Erkenntnis, dass es sich bei diesem Buch ebenfalls um ein Kinderbuch handelt, bis zu dem Moment als sich mir der Hals abschnürte und mir die erste Träne über mein Gesicht rollte.

Mir war natürlich immer bewusst, dass Tod, Abschied und Trauer zum Leben dazu gehören, aber bisher und vor allem in Verbindung mit meinen Kindern und ihren Bezugspersonen innerhalb der Familie, musste ich mich mit diesem Gedanken noch nicht auseinandersetzen. Es gab zwar schon ein ein paar “Abschiede” durch neue Lebenspartner, aber das hat Vince, für sein Alter, alles gut verstanden und aufgenommen.

Gerade die letzten beiden Jahre haben mir gezeigt, dass die Zeit ein Dieb und das alles so zerbrechlich ist.

Ich bin ein Mensch, der gern vorbereitet ist und doch bin ich realistisch genug, um zu wissen, dass es Dinge gibt, bei denen das nicht funktioniert. Der Tod eines geliebten Menschen gehört da eindeutig dazu. Wahrscheinlich holte mich in diesem Moment, in der Buchhandlung, eine Angst ein, die bisher nur in meinem Unterbewusstsein schlummerte.

Wie soll ich für meine Kinder der Rückhalt sein, den sie brauchen, wenn  meine größte Stütze im Leben, mein Rückhalt, meine Familie plötzlich in sich zusammenfällt? Wenn es z.B. um meine Eltern geht, fühle ich mich manchmal noch wie ein Kind, dem man die Welt erklären müsste. Nein, wie ein Kind, dass sich gern die Welt von seinen Eltern erklären lässt. Wann bin ich eigentlich erwachsen geworden?

Meine Oma wird wahrscheinlich auch nie aufhören können, sich um mein Wohlergehen zu sorgen und sei es in den noch so banalsten Situationen.

Seit ich dieses Buch, vor zwei Wochen, in meinen Händen hielt, geisterte mir nun diese Frage im Kopf herum. Ich habe mich mittlerweile auch damit abgefunden, dass es darauf keine vernünftige Antwort geben kann.

Irgendwie mussten diese Gedanken aber aus meinem Kopf und so entstand, nach mehren Anläufen dieser Beitrag. Ich glaube, ich habe selten so oft, beim Schreiben eines Beitrags, geweint. Der gemeine Blogger würde wohl sagen: Mein bisher persönlichster Beitrag”, dabei sind doch alle Beiträge hier persönlich.

Ich habe das Buch “Einfach so weg” vor zwei Wochen zwar nicht gekauft, aber mir ein paar Tage später die Version für jüngere Kinder Weil du mir so fehlst bestellt. (Affiliate Links)

Kinderzitat aus dem Buch: “Ich verstehe das zwar alles nicht, aber ich verstehe alles, also ich fühle das.” (Mädchen, 11)

 

Die Hauptfigur in dem Buch ist ein Bär der um jemanden trauert, um wen wird jedoch offen gelassen.

In dem Buch ist Platz um Fragen zu stellen, um die wichtigsten Dinge über die verstorbene Person aufzuschreiben, zu malen oder um Bilder einzukleben. Es gibt einen Vermissten-Steckbrief und jede Menge Tipps wie beispielsweise den Brülleimer oder ein Rezept für süße Trauerklöße. Die Autorin richtet sich am Anfang des Buches an die Kinder, aber auch an die Erwachsenen, denn genau die müssen erstmal verstehen, dass Kinder anders mit ihrer Trauer umgehen.

Es ist wichtig zu trauern, ganz egal in welcher Form und mit welcher Emotion. Man darf wütend sein, traurig, laut, leise, darf wieder lachen und vor allem mit anderen Bezugspersonen darüber sprechen.

Seit ich Kinder habe, bin ich zwar schon um einiges emotionaler als noch vor 5 Jahren, aber es ist definitiv noch Luft nach oben. Ich möchte, dass meine Kinder immer frei über ihre Emotionen und Gedanken sprechen können und nicht wie ich, vieles mit sich selbst ausmachen. Damit sie das auch können, sollte ich wahrscheinlich mit gutem Beispiel voran gehen.

Ich lege das Buch jetzt zurück in den Schrank und wenn ich es irgendwann wieder heraushole, werde ich mich wahrscheinlich an diese Zeilen hier erinnern. 

6 Kommentare

  1. Oh Gott. Im Sommer stand ich auch in einer Buchhandlung und griff nach einem Buch, das mich sofort in eine Welt schupste, aus der ich gleich wieder raus wollte. Es ging um ein 5 Jähriges Geschwisterchen, das sein neugeborenes Geschwisterchen verliert. Oh, das war schlimm. Um mich herum verschwand alles und ich versetzte mich zwanghaft in die Situation, meinem Kind dieses Buch vorlesen zu müssen.
    Es war schrecklich und endete auch mit Tränen, mitten in der Buchhandlung 😪

  2. Doreen Appelt sagt

    Liebe Bell,
    ich oder wir ( das „FieteElternpaar“) hatten vor vier Jahren eben diese Situation mit unserem damals acht jährigen Fiete. Seine von ihm ,und uns , heissgeliebte Oma verstarb nach langem tapferen Kampf an Krebs. Für uns Erwachsene ein unglaublich riesiger Verlust und tiefer Krater den dieser Umstand hinterlies, aber erst recht für unseren Sohn. Seine Bindung zu ihr war einfach für ihn und uns von besondere Art. Er war der erste Enkel, er durfte so viel von ihr lernen , erfahren und mitnehmen in sein Leben, seine Gefühlswelt, sein Ich, so das ich sehr stark davon überzeugt bin, das sie großen Anteil daran trägt, das er der gute Mensch ist der er heut ist.
    Wir wussten nicht, wie sollten wir ihm diese beschissene Nachricht beibringen & letztlich blieb es an mir , dies zu übernehmen, denn es war die Mama seines Vaters. Es waren das Vertrauen in mein Bauchgefühl , Mut, Vertrauen und Zuversicht und das Vertrauen in unseren Jungen, in unser Band, als Mutter und Sohn und großes Vertrauen in unsere sehr emotional stabile und sichere DreierKonstelation als Vater-Mutter -Kind , die es mir ermöglicht haben, es Fiete in unserer Küche zu sagen.
    Er ist in meinen Armen heulend und schreiend zusammen gesackt und ich erinnere mich noch wie heute , das wir zu dritt auf nem ziemlich dreckigen Küchenboden saßen, und alle Drei weinten, einfach heulten ohne zu sprechen aber Zusammen und mit dem Halt des Anderen. Das war für mich, bis heute , die schmerzhafteste Situation, meinen Sohn so leiden zu sehen und nichts dagegen tun zu können. Aber ich bin stolz darauf, das wir mit offenen Herzen und unserer mentalen Stärke Ehrlichkeit und Zuversicht unserem Sohn Halt in dieser Zeit gegeben haben. Wir haben danach viel über Omi geredet, uns erinnert, gelacht und wieder geweint und behalten das reden und erinnern über sie auch bei. Mein Bauchgefühl hat mich damals geleitet und ich verlasse mich weiter darauf.
    ✌🏼Sei lieb gegrüßt

  3. Brigitte Ulmer sagt

    Wie hat den Vince die Abschiede der neuen Lebenspartner aufgenommen? oder wie hast du das erklärt? darf ich das fragen?

    • In dem Fall hat es ihm die Oma gut erklärt.
      Wie genau, kann ich dir aber gar nicht wirklich sagen.

  4. Ach, ich dachte immer du bist noch mit Vince Vater zusammen – oder verstehe ich das falsch? Übrigens ein Thema, dass ich auch nicht gut kann. Gar nicht gut. Ich habe mit 34 noch nie jemanden verloren. Alle, meine Eltern und meine beiden Großeltern sind einfach da seit immer.

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